Die Übungsfirma

Abbild eines realen Unternehmens

Eine Übungsfirma ist ein nachempfundenes Unternehmen für die kaufmännische Aus- und Weiterbildung, das unter Echtbedingungen handelt und wirtschaftet; etwa wie ein Flugsimulator für Piloten.

In ihr können die »Mitarbeiter*innen« alle Abläufe des täglichen Wirtschaftsgeschehens unter realen Rahmenbedingungen lernen und trainieren. Alle Aktivitäten entsprechen der kaufmännischen Praxis. Der Warenverkehr wird durch Lieferscheine abgebildet, der Zahlungsverkehr durch Buchgeld. Für den nationalen und internationalen Zahlungsverkehr steht eine eigene Übungsfirmenbank zur Verfügung.

Träger*innen von Übungsfirmen sind unter anderem Berufsbildungswerke und Berufsförderungswerke, das Berufsfortbildungswerk des DGB, die Deutsche Angestellten Akademie (DAA), Staatliche Schulen, Akademien und Schulen freier sowie öffentlich-rechtlicher Träger*innen und Wirtschaftsunternehmen.

Der größte Teil der Übungsfirmen in Deutschland wird von der jeweiligen Trägerorganisation als klassische Variante in Eigenverantwortung betrieben. 2019 wurde dieses Konzept um das Modell der virtuellen Übungsfirma 4.0 erweitert. Die Übungsfirma 4.0 wird von der Zentralstelle zur Verfügung gestellt und kann von Trägerorganisationen, die selbst keine Möglichkeit haben, eine Übungsfirma zu betreiben, kostengünstig und bequem genutzt werden.

Detaillierte Informationen zu den verschiedenen Übungsfirmenvarianten finden Sie unter dem Menüpunkt »Unser Service«.

Warum gibt es Übungsfirmen?

Die besondere Stärke der Übungsfirma sind ihre Außenkontakte. So wie Unternehmen in der realen Marktwirtschaft stehen auch Übungsfirmen zueinander in interaktiver Geschäftsbeziehung. Neben fachlichen Kompetenzen erwerben Teilnehmer*innen durch die Arbeit im Team und die selbstständige Lösung realer Problemstellungen wertvolle Schlüsselqualifikationen, die sie in ihren späteren beruflichen Alltag mitnehmen können.

So wird ein (Wieder-)Einstieg in den Job erheblich erleichtert, und auch potenzielle Arbeitgeber*innen profitieren von Mitarbeiter*innen, die in der Praxis vorbereitet wurden und unmittelbar einsetzbar sind! Übungsfirmen können die kaufmännische Ausbildung sinnvoll unterstützen, z.B.:

  • als Praxisanteil einer theoretischen Ausbildung in den berufsbildenden Schulen
  • in der Weiterbildung im kaufmännischen Bereich
  • in der beruflichen Rehabilitation
  • in Unternehmen, die in der betrieblichen Ausbildung und im betrieblichen Gesamtzusammenhang spezielle Ausbildungsinhalte komprimiert vermitteln wollen.

Übungsfirmen – Ein Konzept mit Geschichte

1. Virtuelle Internationale Übungsfirmenmesse

Veröffentlichung des Lehrbuchs für Buchhaltung, Teil 2 »Commission und Factorey« durch Ambrosius Lerice in Danzig, in dem sich erste Spuren der Übungsfirmenidee finden lassen: Der Autor lässt einen fiktiven Kaufmann Peter Winst fiktive Geschäfte führen, die die Schüler erfassen und verbuchen sollen

Erste Verbände in Europa betreiben zu Ausbildungszwecken Geschäftsbriefwechsel miteinander. Hieraus entstehen sogenannte Briefwechselbundfirmen, die späteren Schein- bzw. Übungsfirmen

Gründung der ersten »echten« deutschen Übungsfirma in Bremen

Gründung der ältesten deutschen Übungsfirma in Witzenhausen, die heute noch aktiv ist

Erste Internationale Übungsfirmenmesse in Karlsruhe

Gründung der Bfz-Essen GmbH (damals: Bfz-Essen e.V. Berufsförderungszentrum)

Gründung der Zentralstelle des Deutschen ÜbungsFirmenRings (ZÜF) mit Sitz in Essen als Servicestelle für 80 deutschlandweit tätige kaufmännische Übungsfirmen

Aufnahme aller bis dahin von der Zentralstelle in Heidelberg betreuten Übungsfirmen durch die Zentralstelle in Essen

Start des EU-Projektes EUROPEN (Europäischer Übungsfirmenring)

Gründung des internationalen Netzwerks EUROPEN-PEN International e.V. mit Sitz in Essen, u.a. durch Unterstützung mit Fördermitteln des Landes NRW

50. Internationale Übungsfirmen Messe in Essen

Gründung der ersten digitalen Übungsfirma 4.0